08.06.2023

Studie veröffentlicht: Bedarfserhebung „Arbeitsräume Freie Szene Berlin 2022“

Die Raumnot von Künstler*innen und Kulturakteur*innen der Freien Szene in Berlin ist längst bekannt. Gemäß Satzungszweck der Kulturraum Berlin gGmbH und als Trägerin des Arbeitsraumprogramms des Landes Berlin ist es unsere Aufgabe, den akuten und stetig wachsenden Bedarf an künstlerischen Arbeitsräumen sichtbar zu machen und gegen Verdrängung und Raumknappheit zu wirken. Eine neue spartenübergreifende Studie, durchgeführt von einem unabhängigen wissenschaftlichen Team, liefert einen aktuellen Einblick in die Bedarfe der Freien Szene Berlin.

Grundstein des Arbeitsraumprogramms der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (ARP) ist die Bereitstellung künstlerischer Arbeitsräume mit subventionierter Miete für eine mehrjährige Nutzung. Doch wer braucht tatsächlich welchen Raum und wie lange, wie soll dieser ausgestattet sein und was bedeutet überhaupt „bezahlbar“?

Um diese Fragen zu beantworten und somit das ARP zukunftsfähig und den tatsächlichen Bedarfen entsprechend weiter zu entwickeln, wurde im Herbst 2022 die Bedarfserhebung „Arbeitsräume Freie Szene Berlin 2022“ von der Kulturraum Berlin gGmbH in Zusammenarbeit mit PROSA (Projekt zur Schaffung künstlerischer Arbeitsräume) beauftragt und von einem unabhängigen, interdisziplinären wissenschaftlichen Team (Séverine Marguin, Dagmar Pelger (coopdisco), Martin Schinagl, Martha Wegewitz (coopdisco)) durchgeführt.

In der ersten Phase der Studie, der qualitativen Erhebung, wurde mit über 60 Akteur*innen der Freien Szene in fünf Fokusgruppenworkshops sowie Einzelinterviews und Begehungen Hinweise und Erfahrungen gesammelt, diskutiert und schließlich ausgewertet.

Die quantitative Erhebung bestand aus einem umfangreichen Online-Fragebogen, der auf Grundlage der Ergebnisse aus den Fokusgruppen aus der Freien Szene erarbeitet wurde. Im Fragebogen wurden detaillierte Bedarfe abgefragt – von den Raumgrößen und Ausstattungswünschen, über Nutzungsmodelle bis hin zu der finanziellen Leistbarkeit der Künstler*innen.

Herausragend an dieser Studie ist vor allem:

  • dass sowohl ein spartenspezifischer als auch ein spartenübergreifender Blick gewagt wird;
  • dass nicht nur der Arbeitsraum an sich, sondern Raumsysteme betrachtet werden, innerhalb derer sich die Alltagspraxis von Künstler*innen der Freien Szene abspielt.

Es haben ca. 660 Personen den dynamischen Fragebogen vollständig ausgefüllt (Dauer ca. 35-45 Minuten) . Die Künstler*innen ordnen sich dabei überwiegend mehreren Sparten zu, im Schnitt zwei Sparten. Als Hauptfeld geben jedoch die Sparte Musik 38 %, Darstellende Künste 17,2 %, Tanz 13,4 %, Literatur 11,2 %, Projekträume 8,6 % und Andere 11,6 % an.

Ziel der Studie war es, eine Grundlage für eine zielgerichtete Akquise von Flächen bzw. den Ausbau bestehender Standorte und dafür notwendige Kosten/Nutzen-Analysen zu schaffen, wobei auf eine spartengerechte Entwicklung von Arbeitsräumen geachtet werden soll.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen uns ganz klar, wo wir bei der Weiterentwicklung des Arbeitsraumprogramms ansetzen sollten. Die Bedarfe sind vielfältig und divers und so muss künftig auch das Angebot an Arbeitsräumen aussehen, wenn Berlin weiterhin als attraktiver Arbeitsort für die Freie Szene gelten will. Dazu gehen wir nun in den Austausch mit den Vertreter*innen der Freien Szene und der Kulturpolitik“, so Tatjana Kaube, Prokuristin der Kulturraum Berlin gGmbH.

Das langfristige Ziel der Studie ist es, ein Instrument zu konzipieren, das die Situation und Bedarfe der Freien Szene durch eine fortlaufende Erhebung erfassen kann.

Die letzte spartenübergreifende Bedarfserhebung im Rahmen des Arbeitsraumprogramms wurde im Jahr 2014 von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa durchgeführt.

Vielen Dank an alle Künstler*innen für Ihr Engagement und Teilnahme an der Umfrage und an den Fokusgruppen!

Die Ergebnisse der Studie sind unter folgendem Link abzurufen:

Coverseite des Berichts. Der Hintergrund ist lila und darauf steht ein Text

Wie funktioniert das Arbeitsraumprogramm?

Professionelle Künstler*innen mit Wohnsitz in Berlin bewerben sich im Rahmen öffentlicher Ausschreibungen um die Räume und spartenspezifische, unabhängige Vergabebeiräte wählen unter den Bewerber*innen aus, wer einen geförderten Raum bekommt.